Beim Kopf des weißen Huhns
Beim Kopf des weißen Huhns
Verlag: 
Jungbrunnen
ISBN: 
978-3-7026-5897-7
Alter: 
Ab 8 Jahren

Beschreibung

Emil und Mia sind beste Freunde. Darum ist es klar, dass Emil Mia zur Seite steht, als sie aus dem Urlaub zurückkommt und ihre Hühner tot vorfindet. Wer ist der Mörder? Mia ist schnell mit Schuldzuweisungen, Verurteilungen und Racheplänen und Emil muss sehr diplomatisch sein, damit nicht ein Unschuldiger zu Schaden kommt. Als sich das Rätsel nach vielen Verwirrungen löst, stellt sich allerdings heraus, dass es mehrere Schuldige gibt – und vor allem solche, mit denen niemand gerechnet hat.

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Leseprobe

Als Emil die Klasse wieder betrat, starrten ihn alle an.
Er legte Felix wortlos das Handy auf den Tisch und setzte sich auf seinen Platz. Was auch immer Herr Zweiling heute verlangte, ihm war es egal. Es hatte keine Bedeutung.
Statt mit dem Unterricht zu beginnen, fragte Herr Zweiling jedoch ungewöhnlich milde: „Alles in Ordnung, Emil?“
Emil schaute kurz auf. Eltern mussten ihre Kinder in der Schule krank melden, und Mias Vater und Mutter gehörten nicht zu der Sorte Eltern, die diese Schulregel ignorierten. Herr Zweiling müsste also Bescheid wissen.
Aber der blickte ihn wirklich besorgt an. Hatten ihn Mias Eltern etwa nur mit einer nichtssagenden Erklärung abgespeist? Mia ist übel? Mia hatte einen fürchterlichen Alptraum? Wusste er gar nicht, was wirklich vorgefallen war?
Emil hatte nicht das Gefühl, dass er oft geniale Gedanken hatte, aber dieses Mal traf ihn einer im richtigen Augenblick. „Nichts ist Ordnung“, sagte er mit Nachdruck. „Gar nichts ist in Ordnung. Wie würden Sie es denn nennen, wenn Sie in der Früh noch vor dem Frühstück fünf Mordopfer entdecken?“
Wenn 23 Kinder und ein Lehrer im selben Augenblick entsetzt die Luft einziehen, ergibt das ein eindrucksvolles Geräusch. Emil nützte es für seine Zwecke.
„Ich muss zu Mia“, drängte er. „Sie braucht mich jetzt. Ihre Eltern sind zur Probe in die Oper gefahren. Tosca, wissen Sie.“
Emil vermutete, dass Herr Zweiling wohl eine Ahnung davon hatte, wie unentbehrlich eine Opernsängerin und ein Oboist bei so einer Probe waren.
„Fünf Mordopfer.“ Herr Zweiling war sichtlich bestürzt. „Ich habe nichts in den Nachrichten gehört, und Mias Eltern ...“
„Nicht solche Mordopfer“, sagte Emil rasch. Vielleicht war sein Einfall nicht ganz so genial gewesen, und seine weitere Erklärung würde jetzt nicht den gewünschten Effekt bringen.
„Mia wollte heute Früh ihre Hühner füttern und jemand, der Mörder, hat irgendwann in der Nacht absichtlich die Tür zum Stall geöffnet und die Tiere umgebracht. Alle fünf! Und Mia hat sie gefunden.“
„Hühner!“ Das war Felix.
Und wie er das sagte. Emil konnte heraushören, dass er keine Spur Mitleid mit den Ermordeten fühlte und bereits wieder an die Handykosten dachte.
Emil drehte sich zu ihm um, aber Yasmin kam ihm zuvor.
„Ich finde das entsetzlich! Wer tut so etwas?“, rief sie quer durch die Klasse.
„Viele“, warf Felix lakonisch ein. „Oder glaubst du etwa, dass die Hühner im Supermarkt freiwillig tot sind? Jedes Grillhendl ist letztendlich ein Mordopfer! Ist ja auch nicht so schwierig, so einem Federvieh den Hals umzudrehen.“ Er kicherte übertrieben und machte mit seinen Händen eine Würgebewegung um einen unsichtbaren Hühnerhals.
„Felix!“, warnte Herr Zweiling, wandte sich dann aber Emil zu. „Sie ist alleine zu Hause?“, fragte er nach.
Emil bejahte es. „Sie konnte am Telefon gar nicht mehr aufhören zu weinen. Ich muss zu ihr, wirklich. Ich habe es Mias Eltern versprochen.“
Herr Zweiling zögerte.
„Bitte!“
„Also gut. Aber du musst mir auch etwas versprechen. Wenn du sie nicht beruhigen kannst, musst du ihre Eltern verständigen! Tosca hin oder her.“

Katalogisat

Kooij, Rachel van:
Beim Kopf des weißen Huhns / Rachel van Kooij. - Wien : Jungbrunnen, 2016. - 176 S.
ISBN 978-3-7026-5897-7
fest geb. : € 14,95